Freitag, 15. Oktober 2010

Microsoft und seine starken Freunde

Mit Hilfe des sozialen Netzwerkes Facebook peppt der Softwarekonzern seine Suchmaschine auf
München - Erst wenige Tage ist es her, da gab sich Eric Schmidt, der Chef des Suchmaschinenbetreibers Google, ganz schmeichelhaft: Eine Fehde mit Facebook? Ach was. 'Wir haben die Belastung sehr genau studiert', sagte Schmidt in einem Fernsehinterview. 'Facebook-User benutzen Google häufiger - und dafür lieben wir Facebook.'
Die Liebe, sie dürfte unerfüllt bleiben. Der Anbieter des sozialen Netzwerkes Facebook nämlich umschmeichelt seinerseits lieber den Softwarekonzern Microsoft. In einer gemeinsamen Allianz greifen sie nun Google an: Dazu verknüpfen beide Unternehmen die Trefferliste der von Microsoft betriebenen Suchmaschine Bing mit Informationen von Freunden beim Netzwerk Facebook. Damit soll ein Internetnutzer persönlich relevante Informationen schneller finden - beispielsweise, wenn er im Netz nach einer Restaurantempfehlung oder einem Filmtipp sucht.


Die neue Funktion (mit Namen 'Liked Results') bei der Suchmaschine soll jene Interneteinträge hervorheben, die Facebook-Freunde bereits innerhalb des sozialen Netzwerkes mit dem 'Gefällt-mir'-Knöpfchen bedacht haben. Zudem soll es leichter werden, über Bing Freunde, Verwandte und Bekannte zu finden. Beide Unternehmen betonten, dass sie die Privatsphäre der Internetnutzer respektieren werden und nur dafür freigegebene Informationen für andere sichtbar werden.
Der gemeinsame Rivale Google steht immer wieder in der Kritik von Datenschützern. Zwar nannte Facebook-Chef Mark Zuckerberg diesen nicht beim Namen, als er am Mittwochabend im kalifornischen Silicon Valley die Vereinbarung bekanntgab. Aber er dürfte den bedeutendsten Suchmaschinenbetreiber vor Augen gehabt haben, als er betonte, dass Microsoft mehr wage als andere Unternehmen, um Suchmaschinen weiterzuentwickeln. Die Idee hinter der Allianz liegt auf der Hand: Warum sollte ein Internetnutzer, der etwa ein neues Mobiltelefon sucht, einen Algorithmus um Rat fragen, wenn seine Freunde seine Vorlieben doch viel besser kennen? Mit mehr als 500 Millionen Nutzern bringt Facebook somit einen sehr wertvollen Datensatz in das Projekt zur persönlichen Suchmaschine ein.
Suchmaschinen sind die wichtigste Plattform für Werbung im Internet. Mehr als die Hälfte der Anzeigen, mit denen sich Milliarden verdienen lassen, werden dort geschaltet. Der Preis dafür ist umso höher, je mehr Nutzer die Seite besuchen. Bislang verfügt Google über einen komfortablen Vorsprung auf diesem Feld: Knapp 63 Prozent aller Anfragen von Internetnutzern in den USA liefen im vergangenen September über Google, wie das Marktforschungsinstitut Comscore berechnet hat. Im Vergleich zum Vormonat legte Google damit sogar noch etwas zu, während alle Verfolger leicht zurückfielen. Microsofts Suchmaschine Bing kam gerade mal auf einen Anteil von 12,5 Prozent. Microsoft hat vor drei Jahren für etwa 240 Millionen Dollar Anteile an Facebook erworben - allerdings nur 1,6 Prozent. (Zwischen den Zahlen)
(Quelle: Süddeutsche.de, 15.10.2010, 05:40)

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